Der Prozess ist das Ziel – Gedanken zum agilen Arbeiten

agil / Wortart: Adjektiv / Gebrauch: bildungssprachlich

Bedeutung: von großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig

Für agile Arbeitsformen bedeutet das, die Form der Zusammenarbeit ausreichend beweglich und wendig zu halten, um sie jeweils dem Zweck der Zusammenarbeit entsprechend und auf die Beteiligten abgestimmt gestalten zu können. Dafür braucht es Auseinandersetzung, Reflexion, Experimentierfreude und Wiederholung. 

Einen fertigen Zustand ganzheitlicher Agilität gibt es nicht

Im Sinne einer aufbauenden Entwicklung im integralen Sinne, ist es das Ziel, jeweils vom aktuellen Standpunkt aus agiler zu werden. Es geht immer agiler, genauso wie es immer besser geht. Perfekt ist – zumindest in allen Bereichen, die mit Menschen zu tun haben – ein recht flüchtiger Zustand. Die Anforderungen ändern sich, die Rahmenbedingungen werden andere, ja nichtmal die Beteiligten selbst sind ein bleibender Faktor.

Das Ziel ist also kein Zustand, den es zu erreichen gilt und der Prozess ist nicht der Weg dahin. Der Prozess an sich ist das Ziel.

Agiles Arbeiten ist kein Selbstläufer…

Der Agilität liegt ein hoher Grad an Selbstorganisation zugrunde. Selbstorganisation ihrerseits basiert auf klaren Regeln und gelebter Verbindlichkeit seitens aller Beteiligter.

Die Regeln werden im Team entwickelt und vereinbart, immer in Hinblick auf Anforderungen und Rahmenbedingungen. Im Zuge des agilen Arbeitens implementierte Regelwerke und Strukturen und mit ihnen das Team brauchen Pflege –  ein fortwährendes Hinsehen, Nachfragen, Sich äußern, Zurechtrücken und Abstimmen. Es gilt, zu einer gemeinschaftlichen Vorstellung von Sinn und Zweck zu kommen und ein gemeinsames Zielbild zu entwickeln. Nicht minder wichtig und mitunter deutlich herausfordernder ist es dann, über den Arbeitsalltag hinweg in Kontakt mit den gemeinschaftlichen Vorstellungen und Bildern zu bleiben.

Gute Zusammenarbeit bedeutet ein Commitment aller Teammitglieder, sich eigenverantwortlich an das gemeinsame Regelwerk zu halten. Die dafür notwendige Verbindlichkeit gewinnt an Bedeutung, wenn sie im Team aktiv eingefordert wird.

… und kein Sprint

Gruppen tendieren grundsätzlich dazu, in alte und vertraute Muster zurück zu fallen. Neues braucht Wiederholung um sich zu festigen, Maßnahmen brauchen Zeit um zu wirken und Menschen brauchen Zeit, sich auf Veränderungen einzustellen.

Beharrliches Dranbleiben, Ausdauer und ein unverstellter Blick auf das gemeinsame Zielbild sind Grundvoraussetzungen für die Implementierung agiler Arbeitsweisen in einer Organisation. Das ist nicht immer einfach und braucht ein hohes Maß an Motivation und Klarheit was den zugrundeliegenden Sinn betrifft.

Rückschläge wird es immer geben, Versuch und Irrtum sind essentielle Teile von Innovation und Entwicklung. Ausschlaggebend dafür ob Rückschläge das Team befördern oder auf der Stelle treten lassen, ist einzig und allein der Umgang im Team damit.

Es gilt, ein für das Team und die Organisation passendes Verhältnis zwischen Weisung und Kontrolle, Selbstorganisation und agilen Elementen zu finden – und dafür gibt es kein fertiges Konzept. Das passende Maß muss jedes Team, jede Organisation für sich selbst herausfinden: in fortwährendem Hinsehen, Nachfragen, Sich äußern, Zurechtrücken und Abstimmen.

Literaturempfehlungen:

Lars Vollmer: Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen

Bernd Österreicher, Claudia Schröder: Das kollegial geführte Unternehmen

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